Unterschiedliche Bewerbungsformen und ihre Besonderheiten

Eine Bewerbung soll deinem zukünftigen Arbeitgeber natürlich die notwendigen „Fakten“ über dich vermitteln, damit er deine Kenntnisse und Fähigkeiten einschätzen kann. Dazu gehören klassischer Weise deine schulischen Leistungen (Zeugnis), deine Erfahrungen außerhalb des Schulunterrichts (Praktika, Ferienjobs) sowie deine Hobbys und Interessen, soweit diese irgendetwas über dich aussagen, das für deine Berufswahl wichtig sein könnte.

Darüber hinaus solltest du mit der Bewerbung auf dich aufmerksam machen und den Arbeitgeber für dich interessieren. Je mehr Bewerbungen er für den Ausbildungsplatz erhält, desto wichtiger ist dieser Aspekt an deiner Bewerbung.

Wir stellen dir jetzt einige unterschiedliche Bewerbungsformen vor und geben dir ein paar Hinweise, wo diese angebracht wären.

 

Klassische Bewerbung

Die klassische Bewerbung ist diejenige in Papierform. Dafür benötigst du eine Bewerbungsmappe, die du im Fachhandel und gelegentlich auch beim Discounter bekommst. In die Bewerbungsmappe wird ein Anschreiben lose eingelegt. Eingeheftet werden ein Deckblatt, idealerweise mit Foto, ein tabellarischer Lebenslauf sowie Kopien von relevanten Zeugnissen und Bescheinigungen. Bei bestimmten Berufen kann es Sinn machen, wenn du auch eine Arbeitsprobe abgibst, z.B. im gestalterischen Bereich oder wenn du dich in einer Zeitungsredaktion bewirbst.

Das Anschreiben soll deinem zukünftigen Arbeitgeber kurz erläutern, weshalb du dich auf diese Ausbildungsstelle bewirbst. Warum dieser Beruf? Warum gerade bei dieser Firma? Warum sollte er gerade dich einstellen? Das alles prägnant formuliert auf einer Seite.

Auf das Deckblatt kommt ein gutes Bewerbungsfoto von dir, das von jemandem aufgenommen wurde, der etwas davon versteht, idealerweise von einem Fotografen. Außerdem sollten hier deine Kontaktdaten stehen sowie die Adresse des Arbeitgebers und die Stelle, um die du dich bewirbst.

Der Lebenslauf wird heutzutage meist tabellarisch erwartet. Wenn du ein Deckblatt erstellt hast, dann gehören in den Lebenslauf noch die Kategorien Schulausbildung, Praktika, besondere Kenntnisse, Interessen/Hobbys. Bei den Kenntnissen (z.B. EDV-Programme, Fremdsprachen, Führerschein, Jugendgruppenleiterlehrgang, Tastaturkurs etc.) und bei den Interessen/Hobbys solltest du alles aufführen, was für deinen zukünftigen Chef interessant sein könnte. Dinge, die eher Fragen nach sich ziehen, z.B. die Hobby-Angabe „Gaming“ oder „LARP“, solltest du eher weglassen, wenn du dich nicht bei einem Spielehersteller oder in einem Theater bewirbst. Der Lebenslauf muss datiert und handschriftlich unterschrieben sein.

Zeugnisse und Kursbescheinigungen solltest du immer als Kopien beilegen, niemals im Original. Zwar hast du ein Recht darauf, die Unterlagen wiederzubekommen, aber das kann dauern.

Einschätzung: Die klassische Bewerbung ist grundsätzlich nie verkehrt. Sie bietet sich aber vor allem bei mittelgroßen Arbeitgebern mit 20 bis 100 Mitarbeitern an, da du hier davon ausgehen kannst, dass die Zahl der eingehenden Bewerbungen überschaubar ist. Allerdings sind die Kosten bei dieser Bewerbungsform auch relativ hoch, weil du die Bewerbungsmappe kaufen, Ausdrucke/Kopien erstellen und das Porto bezahlen musst.

 

Bewerbung per Mail

Häufig wird in Stellenanzeigen eine E-Mail-Adresse angegeben. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass man eine Bewerbung auch auf diesem Wege einreichen darf oder gar soll. Bezüglich des Aufbaus und der Bestandteile unterscheidet sich die E-Mail-Bewerbung nicht von der klassischen Bewerbung. Nur der Weg der Übermittlung ist ein anderer. Die Dateien sollten immer im PDF-Format übermittelt werden und jede Datei sollte einen sinnvollen Dateinamen besitzen, den man dir zuordnen kann, z.B. Lebenslauf_Marie_Mustermann.pdf. Ob du den Lebenslauf als separate Datei sendest, oder mit den Zeugnissen und Referenzen in eine Datei packst, ist Geschmackssache. Allerdings sollte die Datei jeweils nicht größer als 5 MB sein. Grundsätzlich solltest du die Angaben zur Anzahl der Dateien und zur Dateigröße befolgen, wenn diese in der Stellenanzeige angegeben sind. Wenn nicht, dann kannst du vorher auch mal telefonisch bei dem Betrieb anfragen, wie groß die Dateien sein dürfen und ob sie vielleicht alles in einer einzelnen Datei haben möchten.

Bei der Übermittlung per E-Mail ist auch wichtig, dass du eine seriöse Mail-Adresse verwendest. “Schnucki23” oder “BloodyFighter88” machen nicht gerade den besten Eindruck auf deinen Arbeitgeber. Am besten ist eine Kombination aus Vorname und Nachname, damit auch diese Mailadresse eindeutig zuzuordnen ist.

Auch das Anschreiben solltest du (mit ordentlichem Briefkopf) als PDF-Datei mitschicken. So kann es gut ausgedruckt werden. Gleichzeitig kannst du den Text noch einmal in die Mail kopieren, damit du den Ansprechpartner gleich richtig ansprichst.

Das Good-Karma-Lama empfiehlt dir außerdem, 1-2 Tage nach dem Versand mal nachzufragen, ob deine E-Mail-Bewerbung angekommen ist. Nicht dass sie aus irgendwelchen Gründen im Spam-Ordner landete. Bei dieser Gelegenheit kannst du dich auch vergewissern, ob die Unterlagen vollständig sind oder ob man noch etwas Weiteres benötigt/erwartet. Dieses Nachfragen zeigt dein Interesse und Engagement.

Einschätzung: Die E-Mail-Bewerbung ist sehr kostengünstig und kann auch einfach abgeändert werden. Außerdem wird sie nicht vom Postboten geknickt oder sonst irgendwie beschädigt. Für Betriebe, wo oft mehrere Personen mit der Auswahl der Beschäftigten oder Azubis befasst sind, ist es auch einfacher, die Bewerbung intern weiterzuleiten. Daher ist gerade bei großen Unternehmen (so ab 100 Mitarbeitern) die Bewerbung per E-Mail zu bevorzugen. Aber bitte pass auf, dass du trotz dieser computergestützten Erstellung das Anschreiben immer persönlich auf den jeweiligen Betrieb hin umformulierst, auch in der inhaltlichen Vorstellung deiner Person. Natürlich muss auch das Deckblatt auf den jeweiligen Betrieb, bzw. die Ausbildungsstelle, angepasst werden.

 

Online-Bewerbung

Immer mehr, vor allem große Unternehmen bieten auf ihrer Karriereseite eine Online-Bewerbung über ein eigenes Formular an. Für die Unternehmen sind die eingehenden Bewerbungen damit leichter vergleichbar. In ganz großen Unternehmen übernimmt sogar ein Algorithmus das Matching zwischen Bewerbern und Stellenanforderung.

Für die Bewerber haben diese Online-Formulare leider den Nachteil, dass sie wenig bis gar keinen Spielraum für individuelle Darstellungsformen bieten. Somit gehen auch die meisten Möglichkeiten verloren, sich gegenüber den anderen Bewerbern durch eine besondere Gestaltung hervorzuheben. Umso mehr solltest du daher auf die Formulierung deiner Sätze achten und die Angaben (welche Hobbys, welche Interessen, welche zusätzlichen Kenntnisse) gezielt auswählen und gut beschreiben.

Viele Online-Bewerbungstools setzen auch sogenannte CV-Parser ein. Das sind Software-Programme, die den von dir als PDF hochgeladenen Lebenslauf auslesen und deine Daten dann in eine Datenbankmaske übertragen. In der Regel hast du dann die Möglichkeit, das Ergebnis nochmals zu kontrollieren und zu bestätigen. Diese Kontrolle solltest du sehr sorgfältig durchführen, da beim „parsing“ häufig Übertragungsfehler entstehen, die dann etwas Falsches oder Verwirrendes ergeben.

Auch bei Online-Bewerbungen solltest du dir Zeit lassen, um die Felder sorgsam auszufüllen. Am besten machst du dir auch Screenshots, damit du im Nachhinein noch einmal nachlesen kannst, was du eigentlich angegeben hast. Es könnte ja sein, dass du zu einem Vorstellungstermin eingeladen wirst, dieser aber erst in einigen Wochen stattfindet.

 

Guerilla-Bewerbung

Der Begriff Guerilla-Bewerbung bezeichnet originelle Bewerbungen, die aus der Masse der anderen Bewerbungen herausstechen. Der Fantasie sind dabei keinen Grenzen gesetzt. Es geht vor allem darum, aufzufallen und die Chance für ein Vorstellungsgespräch zu bekommen. Beispiele für eine Guerilla-Bewerbung könnten sein:

  • ein USB-Stick mit einer Video-Bewerbung von dir
  • eine Internetseite, auf der du deine Informationen und Unterlagen in Menüstruktur unterbringst (geschützt durch ein Passwort, das du deinem zukünftigen Ausbildungsbetrieb mitteilst)
  • eine besondere Verpackung (z.B. die Bewerbung zusammengerollt oder -gefaltet in einer Konservendose)
  • die Bewerbung als Collage

Du siehst sicherlich selbst, dass sich Guerilla-Bewerbungen nur für besondere Berufe und Unternehmen eignen. In kreativen Berufen kommen solche ausgefallenen Ideen in der Regel sehr gut an. In den meisten anderen Fällen, wirst du aber mit den konventionellen Bewerbungsformen besser fahren.

 

Einfach vorbeischauen!

Eine andere Form, mit der du dich – gerade bei kleinen, lokalen Unternehmen wie Handwerksbetrieben – positiv in Szene setzen kannst, ist das persönliche Gespräch. Such dir dazu eine Zeit aus, die nicht gerade die geschäftigste in diesem Unternehmen ist. Sich in einem Restaurant zur Mittagszeit oder am Abend vorzustellen, wenn die Gäste auf ihr Essen warten, ist sicherlich keine gute Idee. Wenn du aber am frühen Nachmittag kommst, wird der Chef sicherlich Zeit haben. Erkundige dich einfach nach der Chefin oder dem Chef und frage nach, ob er vielleicht eine Ausbildungsstelle frei hätte. So kommst du ins Gespräch, hinterlässt unmittelbar einen persönlichen Eindruck und kannst gleich feststellen, ob die „Chemie stimmt“ zwischen euch. Vermutlich musst du im Nachhinein trotzdem noch einen Lebenslauf und eine schriftliche Bewerbung einreichen, aber dann kann der Betrieb deine Unterlagen schon viel besser zuordnen. Damit bist du auf jeden Fall im Vorteil.

 

So, hoffentlich hat dir das bei der Auswahl der für dich besten Bewerbungsform geholfen. Allerdings: Wenn in der Stellenanzeige eine bestimmte Bewerbungsform verlangt wird, dann ist es fast immer ratsam, sich auch daran zu halten. Viel Glück bei deiner Bewerbung wünscht dir das Good-Karma-Lama. Und wenn du noch ein paar Tipps für ein gutes Bewerbungsfoto brauchst, dann schau nächsten Monat wieder vorbei, wenn sich auch Marie mit diesem Thema beschäftigt.

 

Weitere Tipps: https://karrierebibel.de/bewerbungsformen/

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