Praktikum: Die Gelegenheit, um Jobs und Arbeitgeber auszuprobieren

Während Marie noch auf die erste Antwort auf ihre Bewerbung wartet, kommt ihr der Gedanke, ob ihre Berufswahl auch wirklich eine ist, mit der sie langfristig glücklich wird. Klar: Den Beruf kann man heutzutage auch mal wechseln, ohne dass einem das als Sprunghaftigkeit ausgelegt wird. Aber sie will ja auch, dass ihr die Lehre Spaß macht. Vielleicht könnte man das ja vorher mal testen. Ist ein Praktikum dafür geeignet? Kann man sich auf die Eindrücke verlassen? Und wie lange sollte ein Praktikum gehen, damit ich Sicherheit bekomme? Die Antwort auf diese Fragen bekommt Marie mal wieder vom Good-Karma-Lama. Naja, zumindest soweit man die Fragen überhaupt beantworten kann …

 

Wenn man sich im Internet, im BIZ oder bei Bekannten über einen Beruf informiert, dann ist das zwar ganz gut, aber er bleiben immer Informationen aus zweiter Hand. Besser ist es immer, wenn du dir vor deiner Entscheidung für einen Ausbildungsplatz, selbst ein Bild von dem Beruf machst. Dafür ist ein Praktikum sehr geeignet – zumindest wenn dich der Praktikumsbetrieb nicht als billige Hilfskraft sieht, sondern sich Mühe gibt, dir auch den Betrieb und die Aufgaben zu zeigen.

 

Schulpraktikum

Nun müssen heute eigentlich alle Schülerinnen und Schüler bereits in der Mittelstufe ein Betriebspraktikum absolvieren. Je nach Schule kann dieses zwischen ein und vier Wochen dauern. Um tatsächlich etwas mitzubekommen von einem Berufsbild, sollten es aber mindestens zwei Wochen sein. Ein einwöchiges Schulpraktikum kann man manchmal auch um eine Woche verlängern. Auch wenn dafür Ferienzeit geopfert werden muss, ist diese Zeit sicherlich sinnvoll investiert, denn du bekommst in der zweiten Wochen noch einmal wesentlich mehr mit, als in der ersten.

Das Schulpraktikum solltest du also auf jeden Fall nutzen, um dir einen Beruf anzusehen, den du dir auch als Ausbildungsberuf  vorstellen kannst. Wenn du diese Chance verpasst hast oder wenn du durch das Schulpraktikum festgestellt hast, dass du doch etwas anderes machen möchtest, dann solltest du dich nach einem Platz für ein freiwilliges Praktikum umsehen.

 

Den richtigen Betrieb aussuchen

In einem Praktikum lernst du nicht nur die Tätigkeiten kennen, die zu deinem Berufsbild gehören, sondern auch einen Betrieb. Dabei ist es wichtig, dass der Betrieb dir auch die Möglichkeiten gibt, Tätigkeiten genau kennenzulernen. Du solltest z.B. die Möglichkeit haben, anderen bei ihren Aufgaben über die Schultern zu schauen und auch selbst in einem gewissen Rahmen mitzuwirken. Praktikanten sind nicht dazu da, Kaffee zu holen, Akten zu kopieren oder die Werkstatt zu fegen. Klar kann auch so eine Aufgabe mal anfallen, aber dies sollten nicht deine Hauptaufgaben sein. Schließlich sollst du – wie es der Name „Praktikum“ schon verspricht – den Beruf in der Praxis kennenlernen.

Tipp: Suche dir einen Praktikumsbetrieb, der auch selbst in deinem Wunschberuf ausbildet.

Diese Ausbildungsbetriebe sind es gewohnt, jungen Leuten etwas zu zeigen und sie mit sinnvollen Aufgaben zu integrieren. Außerdem kannst du dich mit den aktuellen Azubis des Betriebes unterhalten und rausfinden, wie ihnen der Beruf, die Ausbildung und der Betrieb zusagen. Solche persönlichen Gespräche mit Azubis sind eine sehr wichtige Informationsquelle! Du lernst bei einem Praktikum auch kennen, welche speziellen Angebote dieser Betrieb seinen Azubis macht. Manche bieten vielleicht ein Ausbildungsfahrzeug oder zusätzliche Seminare neben der Berufsschule an. Und “last but not least” lernt der Ausbildungsbetrieb natürlich auch dich im Rahmen des Praktikums kennen. Solltest du dich also später dort für eine Ausbildung bewerben, hast du sicherlich schon einen Vorteil gegenüber anderen Bewerberinnen und Bewerbern.

Falls du den Betrieb, bei dem du dich um eine Ausbildungsstelle bewerben möchtest, noch nicht richtig kennst, ist es übrigens auch eine gute Idee, dich im Rahmen deines Bewerbungsschreibens beim Ausbildungsbetrieb für ein vorheriges Praktikum anzubieten. Das zeigt die Ernsthaftigkeit deines Interesses und kann einen Pluspunkt für dich bedeuten.

Viele große Unternehmen haben sich der Initiative Fair Company angeschlossen und eine Erklärung unterzeichnet, wie sie Praktikantinnen und Praktikanten behandeln. Dies bezieht sich inhaltlich allerdings mehr auf Studierende, die während ihres Studiums ein Praktikum absolvieren möchten. Interessant ist die Internetseite der Initiative dennoch und sie gibt dir einen guten Eindruck davon, was bei späteren Praktika so auf dich zukommen könnte.

 

Pflichtpraktikum und freiwilliges Praktikum

Wenn du ein Praktikum im Rahmen der Schulausbildung oder des Studiums machen musst, dann handelt es sich um ein sogenanntes Pflichtpraktikum. Der Vorteil ist unter Umständen, dass du das Praktikum in deiner Schulzeit machen kannst und keine Ferien opfern musst. Allerdings hast du im Rahmen des Pflichtpraktikums auch weniger Ansprüche gegenüber dem Praktikumsbetrieb. Klar: Auch im Pflichtpraktikum sollte sich der Arbeitgeber richtig um dich kümmern und dir ermöglichen, den Beruf durch aktives Mitarbeiten gut kennenzulernen. Du hast aber bei einem Pflichtpraktikum keinen Anspruch auf eine Bezahlung. Am Ende des Pflichtpraktikums erhältst du vom Betrieb ein Praktikumszeugnis.

Machst du ein freiwilliges Praktikum, z.B. in den Sommerferien, dann ist der Praktikumsbetrieb gesetzlich dazu verpflichtet, dich zu bezahlen und zwar mindestens mit dem gesetzlichen Mindestlohn. Diese Bezahlung darf auch nicht gekürzt werden, wenn du mal krankheitsbedingt fehlst (Lohnfortzahlung). Je nachdem, wie lange das Praktikum dauert, erwirbst du sogar Urlaubsanspruch. Dazu muss dein Praktikum aber mehr als einen Monat dauern.

Bei einem freiwilligen Praktikum hast du auch Anspruch auf ein richtiges Arbeitszeugnis. Das kann für spätere Bewerbungen sehr hilfreich sein, weshalb du es auf alle Fälle einfordern solltest.

 

Wichtig: Vorab alles mit dem Betrieb klären!

Anspruch und Wirklichkeit klaffen manchmal weit auseinander. Daher ist es wichtig, dass du mit dem Praktikumsbetrieb vor dem Praktikum klärst, welche Erwartungen du an das Praktikum hast, und welche Erwartungen der Betrieb an seine Praktikanten hat. Hier geht es nicht nur um die Aufgaben und die Bereiche, die du kennenlernen möchtest/kannst, sondern auch um eine eventuelle Aufwandsentschädigung/Bezahlung oder andere Dinge. Es ist immer gut, solche Dinge vorab offen zu besprechen und zu klären.

Wenn du dich jetzt noch über die Regelungen zu Arbeitszeiten im Schülerpraktikum informieren oder du generell noch mehr zu dem Thema erfahren möchtest, dann empfehlen wir dir diese Seite mit weiteren Informationen zum Schülerpraktikum

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