Ein gutes Bewerbungsfoto muss her!

Eigentlich braucht man heute kein Bewerbungsfoto mehr, hat Marie neulich im Internet gelesen. Wegen des Antidiskriminierungsgesetzes. Andererseits hat ihr der Mann vom Berufsinformationszentrum aber dazu geraten, ein Foto beizufügen – weil viele Arbeitgeber es immer noch erwarten und weil es einfach einen Vorteil bringen könne gegenüber den anderen Bewerbern um den Ausbildungsplatz. Also hat sie sich entschlossen, ein Foto zu machen. Oder machen zu lassen. Aber worauf ist dabei wohl zu achten? Und wie teuer wird das, wenn sie zu einem Fotografen geht? Vielleicht kann das auch Papa mit dem Handy machen? Bei dem Gedanken kräuseln sich beim Good-Karma-Lama die Nackenhaare! Gut, dass es ein paar Tipps für Marie hat.

Tatsächlich ist es so, dass man in Folge des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), das bereits 2006 in Kraft trat, heute eigentlich kein Bewerbungsfoto mehr mitschicken muss. Das AGG soll nämlich dafür sorgen, dass Menschen nicht aufgrund von Religion, ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe, Geschlecht oder anderer Merkmale benachteiligt werden. Daher hat man auch das Recht, das Foto wegzulassen. In manchen Ländern, auch in Großbritannien und in den USA, ist es auch gar nicht mehr üblich, ein Foto mitzuschicken.

In Deutschland allerdings schon. Zum einen, weil mit einem Foto gleich eine emotionale Beziehung zu einem Bewerber hergestellt werden kann, wenn dieser sympathisch – oder auch unsympathisch wirkt. Ein gutes Foto und eine freundliche Ausstrahlung können das Eis brechen und helfen, bei der ersten Sortierung der eingegangenen Bewerbungen auf dem Stapel „interessant“ zu landen. Und da willst du ja hin!

Außerdem gibt es natürlich Branchen, in denen das äußere Erscheinungsbild der Mitarbeiter (und natürlich deren Auftreten) eine hohe Bedeutung haben. Denk doch mal an die ganzen Serviceberufe in der Gastronomie, im Einzelhandel, im Tourismus, … In diesen und in manchen anderen Berufen werden die Chefs also ein Foto sehen wollen, wenn eine Bewerbung auf den Tisch flattert.

 

Das perfekte Bewerbungsfoto als Checkliste

  • Porträtaufnahme von vorne (frontal) oder schräg von vorne (Halbprofil), maximal bis zur Hüfte.
  • Das Gesicht muss gut erkennbar sein.
  • Das Bewerbungsbild soll professionell gestaltet sein.
  • Du solltest natürlich wirken, aber nicht zu locker.
  • Der Hintergrund sollte nicht von dir ablenken, sondern eher dezent sein.
  • Lächeln oder nicht lächeln – das bleibt dir überlassen. Allerdings solltest du dennoch freundlich und offen wirken, nicht ernst oder verunsichert.

 

Frisur, Schminke, Tattoos, Piercing

Grundsätzlich solltest du auf dem Bewerbungsfoto so gestylt und angezogen sein, wie du auch zu einem Bewerbungsgespräch erscheinen könntest. Du sollst dich wohlfühlen in der Kleidung, solltest gleichzeitig aber auch seriös und vertrauenswürdig erscheinen.

Das Gesicht sollte nicht von der Frisur verdeckt werden, das heißt lange Haare sollten nicht die Augen bedecken. Die Haare sollten auf alle Fälle frisch gewaschen sein, der Bart (so vorhanden) ordentlich und gepflegt, lange Haare offen oder zum Zopf gebunden. Frauen dürfen sich ruhig schminken für das Foto, allerdings eher dezent und zurückhaltend. Auch für Männer ist etwas Puder für das Gesicht oft vorteilhaft, weil dann Lichtreflexe auf der Haut durch das Blitzlicht vermieden werden. Das kann zwar auch durch die Bildbearbeitung wieder ausgeglichen werden, aber gute Fotografen haben dafür schon vor der Aufnahme einen Blick und etwas Gesichtspuder zur Hand.

Piercings solltest du für das Bewerbungsfoto und auch für das Bewerbungsgespräch rausnehmen. Du weißt ja nicht, wie dein Gegenüber darauf reagiert oder ob Piercings überhaupt in dem Betrieb erlaubt sind. In Produktionsstätten sind sichtbare Piercings meist aus Gründen der Arbeitssicherheit verboten, bzw. müssen mit Pflastern abgeklebt werden, damit man nirgends hängenbleibt. Auch in vielen Lebensmittelbetrieben gelten solche Regelungen.

Auch bei Tattoos weißt du nicht, wie der Betrachter deines Bewerbungsfotos reagieren wird. Wenn es geht, solltest du daher Tattoos im Gesicht, am Hals, Oberkörper oder auf den Armen bedecken. Wenn es nicht geht, weil du z.B. etwas auf die Stirn tätowiert hast, dann zeige es auch. Es würde keinen Sinn machen, ein Tattoo mit einem Bildbearbeitungsprogramm aus dem Bewerbungsfoto zu entfernen.

 

Kleidung

Hier gilt, ähnlich wie auch später zum Vorstellungsgespräch: Die Kleidung sollte zum gewählten Beruf, bzw. zur Branche passen. Wer sich im Bäckerhandwerk bewirbt, wird sich anders kleiden, als jemand der sich in einer Bank bewirbt oder bei einem Arzt.

Grundsätzlich solltest du auf knallige Farben verzichten und entweder unifarbene Kleidungsstücke oder klein gemusterte Kleidungsstücke wählen. Fotografen raten jedoch von feinen Streifenmustern ab, da diese auf Fotos teilweise verschwimmen und dann eigenartig aussehen. Vintage-Look, Applikationen oder gar Shirts mit „Botschaften“ gehen auf keinen Fall!

Für Männer zwingt sich ein Oberhemd fast auf, nur in wenigen Fällen geht auch ein Polo-Shirt. T-Shirt geht gar nicht. Das Hemd sollte geschlossen sein, lediglich der Kragenknopf bleibt offen. Eine Krawatte muss heutzutage eigentlich nicht mehr sein, schon gar nicht bei einer Bewerbung für eine Azubi-Stelle. Langarm-Hemden sind zu bevorzugen und die Ärmel werden für das Foto nicht hochgekrempelt. Bei manchen Berufen und Branchen kann auch ein Sakko auf dem Bewerbungsbild Sinn machen.

Für Frauen gilt, dass sowohl eine Bluse als auch ein Top in Frage kommen, jedoch solltest du keinen tiefen Ausschnitt wählen. Auch hier kann, z.B. zu einem eleganten Top, ein Blazer sehr gut wirken. Ansonsten gilt das oben bereits gesagte: Eher dezente, bzw. kleine Muster oder gleich unifarbene Kleidungsstücke wählen.

Von der Hüfte abwärts wird auf dem Bewerbungsfoto nichts abgebildet. Daher gehe ich hier jetzt auf die Beinkleider nicht weiter ein.

 

Handyfoto oder Fotografenfoto

Natürlich wird die Qualität der Kameras in den Smartphones immer besser. Die technischen Voraussetzungen für gute Porträtfotos sind damit eigentlich bereits gegeben. Es muss aber noch viel mehr stimmen. Hintergrund, Beleuchtung und eben die oben bereits angesprochene Kleidung. Das heißt, theoretisch kann das Foto schon von deinem Papa oder von einem Bekannten gemacht werden, diese müssten sich dann aber auch gut mit dem Fotografieren auskennen und ihr müsstet die oben genannten Punkte alle beachten. Was definitiv nicht geht, ist dass du aus den Schnappschüssen oder Instagram-Posts der letzten Wochen ein Foto auswählst und einfach dieses verwendest. Schließlich sollst du seriös wirken und eine gewisse berufliche Distanz zum Betrachter herstellen. Das passen private Fotos einfach nicht.

Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, dann geh zu einem professionellen Fotografen. Damit meine ich nicht, das Fotogeschäft, in dem du auch Passfotos kaufen kannst und wo eine normale Verkäuferin ohne jeglichen Fotografenkenntnisse mal eben auf den Auslöser drückt. Gehe lieber in ein Fotoatelier, wo ein Fotograf ist, der sein Handwerk gelernt hat (auch für Fotograf/in ist ein Ausbildungsberuf!) und der/die entsprechende Erfahrung hat.

Für ein gutes Bewerbungsfoto aus dem Fotostudio musst du etwa 20 Euro rechnen. Nach oben gibt es bei dem Preis aber fast keine Grenzen. Daher lohnt es sich durchaus, mal die Fotostudios und deren Preise zu vergleichen. Schau dir mal deren Schaufenster an oder die Internetseiten. Dann merkst du schnell, ob dir der Stil gefällt und du kannst dich mit konkreten Vorstellungen an den Fotografen werden.

Normalerweise bekommst du das Foto dann auf einer CD-ROM oder auf einem USB-Stick ausgehändigt, manche senden dir auch einen Download-Link per E-Mail, mit dem du dann das Foto herunterladen kannst.

Wenn du dann ein Fotostudio gefunden hast, das deinen Vorstellungen entspricht, mach einen Termin für das Shooting dort aus. Shooting-Termine sollten idealerweise am Vormittag liegen, also nicht zu früh oder zu spät, damit du auf den Bildern nicht mehr bzw. noch nicht müde wirkst 😉 Sprich mit dem Fotografen auch mal im Vorfeld über die Kleidung und über passende Hintergründe. Vielleicht hat er noch ein paar spezielle Tipps für dich.

Wenn du weitere Tipps möchtest und vor allem auch mal ein paar gute und ein paar schlechte Beispiele anschauen möchtest, dann schau doch mal unter diesem Link nach: https://www.absolventa.de/karriereguide/klassische-bewerbung/bewerbungsfotos

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